„Einzig, nicht artig!“: Michi Stöberl und die "Goaß"

ZU GAST IM ÄLTESTEN HISTORISCHEN WIRTSHAUS STRAUBINGS

NAME: Michaela Stöberl

 

GEBURTSJAHR: 1974

 

GEBURTSORT: Plattling

 

WOHNORT: Straubing

 

LIEBLINGSORT IN NIEDERBAYERN: Skilift beim Predigtstuhl

 

GELERNTER BERUF: Fotografin

 

MEINE BERUFUNG: anderen Menschen eine gute Zeit bereiten

 

…ÜBE ICH AUS SEIT: 2010

 

MEIN MENTOR UND LEHRMEISTER: inspiriert wurde ich durch Jamie Oliver, Donna Hay, Tobias Beck

 

MEINE LEIBSPEISE ALS KIND:

Nudeln mit Ketchup

 

MEINE AKTUELLE LEIBSPEISE: ich mag sehr viele verschiedene Gerichte   

 

LIEBLINGSGETRÄNK: Bier

 

DA KAUFE ICH EIN / DA GEHE ICH ESSEN:

dort, wo ich weiß, wo die Lebensmittel herkommen

 

DAS DARF IN MEINER KÜCHE NICHT FEHLEN:

Liebe

 

MEIN KÜCHENTIPP:

Salz und andere Gewürze, aber vor allem die Liebe zum Produkt und zum Kochen

Artig – das war noch nie so richtig Michi Stöberls Ding. Ganz im Gegenteil. „Ich bin einfach keine klassische Wirtin im Dirndl, die den Schweinsbraten und die Knödel rausbringt und fertig“, meint sie schmunzelnd. Knappe Lederhose, darunter eine knallbunte Leggings, die blonden Haare mit einem Haarband zurückgehalten und immer einen frechen Spruch – nicht nur auf dem T-Shirt: Wer zu Michi Stöberl in die „Goaß“ in Straubing kommt, weiß: Der Abend in dem historischen Wirtshaus, erbaut 1462, wird bestimmt nicht langweilig, aber auf jeden Fall bunt, überraschend, fröhlich und modern.

 

„Ich wollte schon immer diesen Spagat schaffen zwischen bayerischer Wirtshauskultur und dem Modernen“, sagt Michi Stöberl. Und das gelingt ihr in der „Goaß“, die man sich in Straubing wohl kaum mehr ohne ihre Michi vorstellen kann. „Ich glaube, es ist einfach wichtig, dass man sich in der Gastronomie wieder mehr traut, anders zu sein, seine eigene Meinung zu haben und etwas auf die Beine zu stellen, das sonst keiner hat, damit die Gäste gerne zu dir kommen.“

 

Dass sie einmal Chefin im ältesten noch erhaltenen Wirtshaus in Straubing wird, habe sie früher allerdings nicht vorhergesehen. „Ich bin da dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind“, verrät die gelernte Fotografin. „Eigentlich wollte ich raus aus der Gastro, weil ich ein kleines Kind gehabt hab – doch dann haben die Wirtsleute hier aufgehört und mein damaliger Partner und ich haben dann Schlag auf Schlag hier angefangen.“

 

Bereut hat sie es bis heute nicht. Für sie ist es etwas Besonderes, einem urbayerischen Wirtshaus wie der „Goaß“ wieder Leben einzuhauchen. „Früher war es wohl auch so, dass unten Betrieb war und die Wirtsleute obenauf gewohnt haben. Das ist jetzt beispielsweise schon lang nicht mehr so – auch wenn es sich manchmal so anfühlt“, erzählt Michi Stöberl schmunzelnd.

 

Die Wirtshauskultur leben ist Stöberls Grundphilosophie. Und muss sie fast sein, spielt sich das Leben von ihr und ihrer kleinen Familie, zu der sie auch das ganze Team der „Goaß“ zählt, beinahe ausschließlich in ihrem Wirtshaus am Theresienplatz ab. Stillsitzen ist dabei für die Gastronomin ein Fremdwort – kein Wunder, sie wird auch an jeder Ecke gebraucht. „Ich bin am Telefon, ich platziere, nehme Essen mit auf, verkaufe, räume ab – wo eben gerade Not an der Frau ist.“

 

In der Küche wird regional gezaubert

Mittlerweile überlässt sie dennoch ihrem Küchenteam viele Entscheidungen selbst, gerade was die Speisekarte betrifft. „Wir haben jetzt fünf so Küchenzauberer, denen sag ich zwar schon noch, was von den Gästen gewünscht wird, aber ansonsten dürfen sie sich austoben.“ Im Fokus steht bei ihr und ihrer Crew dabei vor allem, viel aus der Region zu beziehen und frisch zuzubereiten. „Jede Soße oder Suppe wird bei uns frisch angesetzt, uns ist wichtig, dass das Handwerk weitergelebt wird – weil: A Packerl aufreissen kann ja ein jeder.“

 

Einer, der noch einmal frischen Wind in die Goass gebracht hat, ist Küchenchef Hugo Elsner. „Er hat das Bayerische noch einmal völlig neu interpretiert und zaubert ganz tolle Kombis. Das schätze ich an ihm und der ganzen Küchencrew sehr, dass sie so aufgeschlossen sind.“ Die Gerichte finden bei den Gästen großen Anklang, immer wieder kämen Nachfragen nach den Rezepten. Doch Michi Stöberl ist sich sicher: Genauso wie in einem guten Wirtshaus kann’s daheim nicht schmecken. Für die Vollblut-Gastronomin ist kulinarischer Genuss nämlich sehr eng mit dem Ambiente verbunden. Genau das möchte sich auch jungen Leuten wieder vermitteln, um sie für Jobs in der Gastronomie zu begeistern: „Wo hast du das schon, dass jemand hereinkommt und du ihm eine gute Zeit bieten kannst, bis er wieder geht?“

 

Gastronomin mit „Herz, Bier- und Käsesommelière“

Wichtig sind für Michaela Stöberl auch die Möglichkeiten, sich immer wieder fortzubilden. „Ich bin auch ein Mensch, der immer weiterkommen will und nicht stehen bleiben will, weil wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein. Das ist mein Motto“, sagt sie über sich selbst.

 

Eine ihrer Leidenschaften ist das Bier: Um die 100 Sorten aus Bayern und der Welt beherbergt sie in der Goaß, 15 mal hat sie bereits den Biersommelière gemacht und kann zu jedem Gericht das passende Bier empfehlen. Mittlerweile ist bei ihr noch der Käsesommelière dazugekommen, denn sie sagt: Bier und Käse, das passt ganz hervorragend zusammen.

 

Für die Zukunft wünscht sich Michi Stöberl wieder mehr Menschen in der Gastronomie, die sich trauen, Unikate zu sein. Gerade weil ihre Person wie kaum eine andere in Straubing mit dem eigenen Wirtshaus verbunden ist, weiß sie: In die Goass kommen die Menschen zwar wegen des guten regionalen Essen – aber auch wegen ihr.

 

Quelle: Susanne Pritscher, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit Genussregion Niederbayern, Straubing 2024

Unsere 5 Fragen

ICH VERBINDE GENUSS MIT…

sich die Zeit zu nehmen, um zu essen, trinken und zu leben.


MEINER BERUFUNG GEHE ICH NACH, WEIL…

ich es schön finde, wenn die Tür aufgeht und du es schaffst, dass die Gäste, die reinkommen, einen geilen Abend verbringen und unsere guten Produkte und unsere Bandbreite zu schätzen wissen.

 

DIE GRÖSSTEN HERAUSFORDERUNGEN SEHE ICH AKTUELL,…

darin, Menschen zu finden, die meine Leidenschaft teilen und die Mehrabgaben im Gastronomiebetrieb zu meistern.


WENN ICH IN DIE ZUKUNFT BLICKE, DANN…

habe ich viele Ideen und auch die Bereitschaft, um meine Gäste immer wieder aufs Neue abzuholen, denn: wer aufhört besser zu sein, der hat aufgehört gut zu sein.


MEIN PERSÖNLICHER TIPP FÜR EINEN NACHHALTIGEN LEBENSMITTELKONSUM LAUTET:

Selbst gemacht schmeckt besser: Deswegen sich die Mühe machen, bewusster einkaufen und selbst kochen. Und auch aufwendig regional hergestellte Produkte wie die vom Biomilchhof Berl in Ascha wertschätzen, weil da viel Arbeit und Handwerk drin steckt.

KONTAKT

Michaela Stöberl | Wirtshaus zum Geiss

Theresienplatz 49 | 94315 Straubing | 09421 / 300 937

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