GASTWIRT ROBERT BAUER | IN KIRCHHAM GEHT’S „WILD“ ZU
STECKBRIEF
NAME: Robert Bauer
GEBURTSJAHR: 1986
GEBURTSORT:
Rotthalmünster
WOHNORT: Kirchham
LIEBLINGSORT IN NIEDERBAYERN: Kirchham
GELERNTER BERUF:
Landwirt
MEINE BERUFUNG: Gastwirt
ÜBE ICH AUS SEIT: 2010
MEIN MENTOR UND LEHRMEISTER: Thomas Riermeier, der nicht nur ein hervorragender Koch ist, sondern auch mein bester Freund
MEINE LEIBSPEISE ALS KIND: Dampfnudeln
MEINE AKTUELLE LEIBSPEISE: Rehrücken, Rehgulasch – generell alles, was Wild ist!
LIEBLINGSBIER: Kalt muss es sein
DAS DARF IN MEINER KÜCHE NICHT FEHLEN: regionale Waren
MEIN KÜCHENTIPP:
Regional schmeckt immer besser
Ein veganes Hochzeitsmenü beim Traditionswirt auf dem Dorf? Für Robert Bauer in Kirchham ein willkommener Auftrag. Ihn reizt nichts so sehr wie Herausforderungen. „Man wächst mit seinen Aufgaben“, bringt der Gast- und Landwirt sein Credo auf den Punkt. Als Robert Bauer 2012 zum ersten Mal selbst am Herd stand, hatte er keine Vorkenntnisse im Kochen. Heute ist er in der Küche in seinem Element. Der Gasthof Bauer ist dank ihm zum modernen Dorfwirtshaus geworden. Tradition und Experimentierlust gehen hier Hand in Hand. „Wild“ geht’s zu, nicht nur, weil Reh und Hirsch auf den Teller kommen.
Das erste Gericht, das er als Koch kredenzte, war eine Currywurst mit Spätzle. „Nein, darauf bin ich nicht stolz“, verrät Robert Bauer mit einem Schmunzeln. Mit der ungewöhnlichen Kombination ist er dem Wunsch eines Gastes nachgekommen. Mittlerweile ist genau das zu seiner Spezialität geworden. Jemand wünscht sich etwas – und sei es noch so außergewöhnlich, Robert Bauer gibt sein Bestes, um es zu realisieren. Man kann ihm gar keine größere Freude machen, als ihn zu fordern. Die größte Herausforderung hat er sich mit der Rolle als Gastwirt selbst gestellt. Zwar ist er zwischen Gaststube und Bauernhof großgeworden, doch war Bauers Weg als Wirt nicht vorgezeichnet.
Dem Kirchhamer Wirtshaus wieder Leben eingehaucht
Der Gasthof Bauer mit seinem urigen Salettl mutet schon der Lage wegen in Sichtweite der Kirche wie eine klassische Dorfwirtschaft an. Dass das Wirtshaus in Kirchham (Lkr. Passau), abgesehen von zwei Ruhetagen, wieder jahraus, jahrein geöffnet hat, ist Robert Bauer zu verdanken. Während unter den Großeltern regulär Betrieb war, wurde der Gasthof unter Robert Bauers Eltern nur noch anlassbezogen für Stammtische oder größere Veranstaltungen geöffnet. „Meine Eltern haben sich auf die Landwirtschaft konzentriert“, blickt Robert Bauer zurück.
Ein Umstand, den ihn – der nun in dritter Generation den Betrieb führt – ein wenig grämte. „Ich bin ein sehr offener Typ und ich hab mir immer gewünscht, dass hier wieder täglich geöffnet ist.“ Noch etwas ist Robert Bauer: heimatverbunden. Während es Bruder und Schwester zum Studium in die Ferne zog, machte er eine Ausbildung zum Landwirt in der Region. Den Zivildienst, den er als prägend und bereichernd beschreibt, absolvierte er in der Klinik Niederbayern im nahegelegenen Bad Füssing.
Danach stieg Robert Bauer nicht nur in den Ackerbaubetrieb der Eltern mit ein, sondern setzte 2010 auch seinen Wunsch um, das Gasthaus wieder regulär zu öffnen. Anfangs stellte er einen Koch ein, in der festen Überzeugung: „Ich selbst setze keinen Schritt in die Küche.“ Im Service fühlte sich Robert Bauer, der stets ein vergnügtes Lächeln im Gesicht hat, wohl. Doch es sollte anders kommen. Denn der Koch und er hatten nicht die gleichen Vorstellungen von der Arbeit.
Deutlich zu spüren bekam Robert Bauer das, als ihn während eines Urlaubs am Gardasee ein Anruf aus der Heimat erreichte. Im Wirtshaus hatte sich eine Gruppe zum Leichenschmaus angekündigt. Doch vom Koch fehlte jede Spur: „Der dachte, es macht nichts, wenn er einfach ein paar Stunden später kommt“, erzählt Robert Bauer noch heute mit einem Kopfschütteln. „Seitdem koche ich selbst.“ Vorkenntnisse? „Keine. Ich hab einfach angefangen.“
Regionales Wild jagt Robert Bauer selbst
Man könnte meinen, so eine Entscheidung müsse zum Scheitern führen. Doch wer in Robert Bauers fröhliches Gesicht blickt, ahnt, dass das Gegenteil der Fall war. Mittlerweile kann er sich gar nicht mehr vorstellen, jemand anderen in „seine“ Küche zu lassen. Eine Ausnahme ist sein bester Freund Thomas Riermeier. Der ist ausgebildeter Koch, hat in renommierten Häusern Erfahrung gesammelt und Robert Bauer beim Erstellen der Speisekarte unterstützt. Zu den Besonderheiten gehören die Wild-Spezialitäten. Rehgulasch, Rehrücken, Hirschbraten, aber auch Hase oder Fasan werden aufgetischt – immer unter der Prämisse: „Selbst gejagt und aus der Region.“ Robert Bauer hat wie sein Vater Franz Bauer den Jagdschein. Wild aus dem Großmarkt kommt nicht auf den Teller: „Im Grunde können wir zu jedem Produkt, das wir auftischen, eine Geschichte erzählen.“
Bei allem, was er in seiner Küche verarbeitet, setzt Robert Bauer stark auf Regionalität und, wo möglich, obendrein auf Bioqualität: „Ob Eier, Nudeln oder Gemüse: Am liebsten gehe ich zu meinen Abnehmern in der näheren Umgebung.“ Diese Art der Küche schätzen sowohl die Kirchhamer als auch Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung. Immer wieder kommen Besucher aus den nahegelegenen Kurorten. Auch, weil sich herumgesprochen hat, dass der Bauer-Wirt neben Rehgulasch und Kalbsschnitzel auch vegetarische und vegane Gerichte serviert. Wie es dazu kam? „Ein Paar wollte bei uns seine Hochzeit feiern und hat sich vegane Speisen gewünscht“, erzählt Robert Bauer. „Das habe ich nie zuvor gemacht – umso mehr Spaß hat mir der Auftrag bereitet.“ Mit einem Probekochen hielt sich der Wirt nicht lange auf. Stattdessen überlegte er sich verschiedene Gerichte und nutzte die Hochzeit als Probe. Experiment geglückt.
Neben Landwirtschaft und Wirtshaus auch Kleinkunstbühne
Obgleich er seine Berufung als Gastwirt gefunden hat, ist Robert Bauer auch nach wie vor Landwirt. 2023 haben seine Eltern den Hof an ihn übergeben. Gemeinsam mit seiner Frau Alexandra, die er als „Allrounderin“ lobt, hat Robert Bauer das Zuhause seiner Kindheit zu einem Zuhause für seine Familie gemacht. Die vierjährige Tochter Emma und der siebenjährige Sohn Jakob gehören dazu. Für sie hätte der Wirt manchmal gerne etwas mehr Zeit. Darum ist er froh, dass seine Eltern in der Landwirtschaft nach wie vor tatkräftig mitanpacken.
Mittlerweile hat der Bauer-Wirt auch wieder einen Saal. Hatten die Eltern einst Wohnungen an dieser Stelle errichtet, haben Robert und Alexandra Bauer sich entschlossen, wieder einen Saal draus zu machen. Ein Schmankerl sind die Kulturveranstaltungen auf der Kleinkunstbühne im Kartoffelkeller. „Dafür hat mein Vater schon immer ein gutes Händchen bewiesen. Bekannte Künstler wie Monika Gruber, Constanze Lindner oder Chris Boettcher sind schon bei uns aufgetreten.“ Daneben wird auch unbekannten Künstlern aus Kabarett, Musik und der Unterhaltungsbranche eine Bühne geboten.
Über Personalmangel, wie viele seiner Kollegen aus der Gastrobranche, kann Robert Bauer übrigens nicht klagen. „Ich bin sehr glücklich, dass wir ein tolles, überwiegend junges Team haben“, bekundet er. Wichtig ist ihm, dass alle Spaß haben bei der Arbeit und ein familiäres Betriebsklima herrscht. Was ihn am meisten motiviert: „Dass wir mit unserer Arbeit Menschen glücklich machen können.“
Quelle: Monika Bormeth, freie Journalistin aus Landau, im Auftrag der Genussregion Niederbayern
Fotos: Sepp Eder
ICH VERBINDE GENUSS MIT…?
… gutem und frischem Essen.
MEINER BERUFUNG GEHE ICH NACH, WEGEN?
… ich andere Menschen damit glücklich machen kann.
DIE GRÖSSTEN HERAUSFORDERUNGEN SEHE ICH AKTUELL,…
… darin, Zeit für meine Familie zu finden. Mein Opa hat immer gesagt: „Gmahd ghört, wenn’s Wetter passt.“ Als Gastwirt und Landwirt hat man sehr viel zu tun, wenn es läuft. Da ist es oft ein Spagat, dass Partnerschaft und Kinder nicht zu kurz kommen.
WENN ICH IN DIE ZUKUNFT BLICKE, DANN…
… sehe ich mit großer Vorfreude vielen neuen Herausforderungen entgegen. Hauptsache, es wird nie langweilig.
MEIN PERSÖNLICHER TIPP FÜR EINEN NACHHALTIGEN LEBENSMITTELKONSUM LAUTET:
Auf Regionalität setzen. Gerade als Gastwirt profitiere ich enorm davon, meine Lieferanten auf kurzem Dienstwege erreichen und mit ihnen verhandeln zu können. Dieses persönliche Verhältnis ist am Großmarkt niemals gegeben. Und die Qualität der frischen Waren spricht ohnehin für sich.
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