zwischen mythos und genuss
STECKBRIEF
INITIATIVE/ORGANISATION: Asters Holunderhof
ENTSTEHUNGSGESCHICHTE/-JAHR:
Der Holunderhof Aster entstand bereits unter dem Vater des heutigen Eigentümers. Xaver Aster, der damals gemeinsam mit seiner Frau Mechthilde den Familienbetrieb führte, begann 1988 mit dem Anbau von Holunder. Die Asters waren damals bereits weitum bekannt für ihren Pioniergeist, hatten sie doch bereits früher die ersten Erdbeerplantagen zum Selbstpflücken etabliert. Xaver Aster war wöchentlich auf Bauern- und Wochenmärkten in der näheren und weiteren Umgebung, anfangs mit Erdbeeren und anderen regionalen Produkten, später mit seinem Holunder. Franz Aster, der den Hof heute führt, übernahm 2008 nach dem Tod des Vaters den Marktstand und war bis 2019 nahezu jedes Wochenende auf Märkten vertreten. 2016 wurde aus dem ehemaligen Schweinestall ein Hofcafé mit Hofladen errichtet. Um das Jahr 2024 hat Franz Aster die einstige Holunderplantage wegen eines Pilzbefalls gerodet und neuen Holunder in kleinerem Stil angepflanzt. Vermarktet wird nun hauptsächlich über den Hofladen und das Hofcafé.
WIE VIELE MITGLIEDER / MITGLIEDSCHAFT:
Franz Aster und seine Lebensgefährtin Bettina Gabler betreiben sowohl den Hofladen als auch das Hofcafé gemeinsam. Unterstützt werden sie bei der Holunderernte oder bei Hochbetrieb im Café von Freunden und engen Verwandten. „Alle unsere Mitarbeiter sind Familie“, sagen die beiden – und das gilt im übertragenen wie im verwandtschaftlichen Sinne.
WAS WIR HERSTELLEN / VERKAUFEN: Im Hofladen gibt es eine bunte Auswahl an Produkten aus Holunder wie Saft, Sirup, Essig, Liköre, vielerlei Fruchtaufstriche. Holundergeist lassen die Beiden aus ihrem Holunder in einer aushäusigen Brennerei herstellen. Ferner gibt es im Laden liebevoll von Bettina Gabler genähte Babybekleidung, Taschen und Brotkörbchen, Glückwunschkarten einer Künstlerin aus der Region und eine Auswahl an regional hochwertigen, zugekauften Lebensmitteln (Eier, Honig, Nudeln, Müsli, Mehle, Brotbackmischungen) und nicht zuletzt Walnüsse vom eigenen Baum.
BESONDEREN WERT LEGEN WIR AUF: Die Präsenz des Holunders bei allem, was wir anbieten. Deswegen lassen wir uns immer wieder etwas einfallen, um ihn fantasievoll in unsere Speisen und Getränke zu integrieren. Unsere Gäste lieben beispielsweise den Wurstsalat, den wir mit Holunderblütenessig verfeinern, oder Getränke wie unseren Holli – eine Abwandlung des Hugo, mit dunklem Holundersirup. Bei unseren Torten im Hofcafé wechseln wir zwischen Klassikern und neuen Rezepten und zwar stets solchen, die den Holunder gut in Szene setzen.
KÜCHENTIPP:
Holunder ist so ein vielseitiges Lebensmittel, mit dem es sich lohnt zu experimentieren.
In der Küche sollte man sich viel mehr trauen und einfach ausprobieren.
Franz Aster betreibt mit Bettina Gabler gemeinsam einen Holunderhof
Franz Aster erinnert sich noch gut an den Tag, an dem er zum ersten Mal allein auf dem Wochenmarkt in Regen verkaufen durfte. Der Vater hatte ihn samt einer Bierbank und etwas Ware dort abgesetzt und war weiter nach Zwiesel gefahren, um auf dem dortigen Markt selbst zu verkaufen. Damals war Franz Aster noch ein Bub und ahnte nicht, wie oft er auch als Erwachsener noch seine Zeit auf Märkten verbringen würde. Die Geschichte über seinen ersten Markttag ist nicht die einzige, die Franz Aster erzählen kann. Auf seinem Hof dreht sich alles um den Holunder. Und um den ranken sich viele Geschichten.
Asters Holunderhof in Westerndorf steht heutzutage für zweierlei. Neben der Landwirtschaft gibt es einen Hofladen und ein Hofcafé, in dem Franz Aster und seine Partnerin Bettina Gabler ihren selbstangebauten Holunder vermarkten. Den Holunder hat sein Vater bereits Ende der 80er Jahre etabliert, wie Franz Aster berichtet. Bis der Betrieb als Holunderhof bekannt wurde, vergingen aber noch einige Jahre. „Wir waren früher ein Bauernhof wie aus dem Bilderbuch“, blickt der 1970 in Straubing geborene Franz Aster zurück auf seine Kindheit.
Ackerbau und Viehhaltung, Schweine, Kühe – alles, was man sich so vorstellt, habe es damals auf dem elterlichen Hof gegeben, der seit vielen Generationen ein Familienbetrieb ist. Asters Eltern Xaver und Mechthilde Aster gingen aber auch neue Wege. „Mein Vater hat relativ schnell erkannt, dass ein Hof in einer doch überschaubaren Größe auf Dauer nicht überlebensfähig ist. Deswegen wurde er findig.“ Einen Visionär in Sachen Selbst- und Direktvermarktung, so nennt Franz Aster seinen Vater rückblickend. So hatte er als einer der Ersten in der Region Erdbeerplantagen zum Selbstpflücken etabliert, damals ein komplett neues Betriebsmodell. Als „der Erdbeer-Aster“ sei der Hof schon bald bekannt gewesen.
Der Vater begann, auf Wochenmärkte zu fahren und neben den Erdbeeren weitere regionale Erzeugnisse anzubieten, die er bei anderen Landwirten zukaufte. Schon als Kind und später als Jugendlicher musste Franz Aster an nahezu allen Wochenenden mitfahren. Schmunzelnd gibt er zu, dass ihm das frühe Aufstehen nicht immer Spaß gemacht hat. Vom Vater hat er aber auch viel gelernt und so manch schöne Begegnung auf den Märkten zählt zu seinen Erinnerungen.
Auf einem Vortrag in Weihenstephan zum Thema Erdbeeren wurde Xaver Aster Ende der 80er Jahren durch einen Referenten aus der Steiermark auf die Sonderkultur Holunder aufmerksam. Die Idee gefiel ihm und so fuhr er 1988 gemeinsam mit seiner Frau Mechthilde im alten Benz nach Deutschlandberg und kaufte die ersten 100 Stauden. „Auf der Rückfahrt hatten die beiden so viel Hunger, dass mein Vater in einem Lebensmittelgeschäft seine Breze schon auf dem Weg zur Kasse angebissen hat“, erzählt Franz Aster lächelnd eine weitere Anekdote. Dumm nur, dass die Eltern damals keinen Schilling mehr übrig hatten und der Verkäufer keine Mark nahm.
Das Experiment Holunder wurde dennoch der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Xaver Aster weitete den Anbau in den Folgejahren immer stärker aus. Die reifen Beeren verarbeitete die Familie allesamt selbst, indem sie die Pressen umliegender Obst- und Gartenbauvereine nutzte. In Hochzeiten bauten die Asters auf bis zu 1,3 Hektar Holunder an. Franz Aster war bei allem mit von der Partie. Langsam jedoch wuchs ein Zwiespalt in ihm. „Mein Vater hatte den Wunsch, dass ich den Quali mache und einen Beruf erlerne, der der Landwirtschaft dient“, blickt Franz Aster zurück, der dem auch nachkam und zunächst eine Ausbildung zum Maschinenschlosser bei der Deutschen Bundesbahn machte. Und ja, es war ihm auch selbst wichtig, dass der Familienbetrieb nicht unter ihm zu Ende geht. Aber da war noch ein anderer Berufswunsch: „Schon als Schüler hab ich gesagt, ich möchte eines Tages Bürgermeister werden.“
Dieser Wunsch hat sich bei der Kommunalwahl 2020 schließlich auch erfüllt. Bis dahin arbeitete Aster als Bautechniker im Wasserwirtschaftsamt und half daheim auf dem Hof bei allem, was anfiel. Im Dezember 2007 erkrankte sein Vater und starb wenige Monate später. Als im Frühjahr 2008 die ersten Nachfragen kamen, ob denn die Asters dennoch weiterhin auf den Märkten vertreten sein würden, beschloss Franz Aster, zu übernehmen, was dem Vater so wichtig war: „Erst einmal probeweise.“
Schlussendlich wurden es über zehn Jahre. Bis 2019 ging Franz Aster dem Wechsel zwischen Wasserwirtschaftsamt zu Wochenbeginn und den Fahrten auf die Märkte zum Wochenausklang nach. In Vilshofen und Passau-Hacklberg war er wöchentlich vertreten. Besonders gerne verkaufte er auf dem jährlich im Herbst stattfindenden Apfelmarkt in Hunding und dem Obstmarkt in Lalling. „Da wird er heute noch von allen angesprochen, wenn wir nur als Besucher hinfahren“, erzählt seine Partnerin Bettina Gabler schmunzelnd.
Der Bekanntheitsgrad des Holunderhofs stieg aber nicht nur durch den Marktstand. Franz Aster war auch ein gefragter Vortragsredner. 2012 kam der Obst- und Gartenbauverein Heimhart auf ihn zu, ob er nicht über den Holunder referieren wolle. Aster probierte es – und blieb dabei. Bis zu 50 Vorträge im Jahr hielt er in der Folgezeit und lernte durch Recherchen dabei selbst noch einiges hinzu über den zu Recht als „Alleskönner“ geltenden Holunder, vor dem man redensartlich den Hut ziehen soll.
Schon früh wussten die Menschen um seine wohltuende Wirkung, nicht umsonst war der Holunder bereits im Medizinschrank des griechischen Arztes Hippokrates (460 v. Chr.) zu finden. „Es gibt fast nichts, wogegen er nicht hilft“, hat mittlerweile auch Bettina Gabler gelernt. Eine Vielzahl von Mythen rankt sich um den Holunder, den Baum des Lebens und des Todes. Nicht von ungefähr kommt die Namensähnlichkeit mit Holda, der Muttergöttin aus der germanischen Mythologie (in Grimms Märchen als Frau Holle bekannt). Die Germanen verehrten den Holunder regelrecht und lange galt das Fällen eines Holunderstrauchs als unheil- und todbringend.
Der schwarze Holunder lässt sich vielfältig verwerten. Schon die Blüten, die sich zwischen Mitte Mai und Ende Juli ausbilden, enthalten sehr viel Vitamin C und ätherische Öle. Zu Tee getrocknet, wirken sie schleimlösend. Ein Tee aus den Blättern, die reich an Gerbstoffen sind, wird hingegen bei Rheuma oder Gicht empfohlen. Die Beeren, die schließlich von Mitte August bis Mitte Oktober reif sind, geben einen dunkel- bis schwarzroten Saft. „Im rohen Zustand enthalten die Beeren den Giftstoff Sambunigrin und sind nicht genießbar“, erklärt Franz Aster. Durch Erhitzen wird Sambunigrin unschädlich. Bei den Asters gibt es eine breite Palette an Produkten aus Holunder: Sirup, Fruchtaufstriche, Essig, Hochprozentiges und vieles mehr.
Verkauft wird mittlerweile nicht mehr auf Märkten, sondern überwiegend direkt in Westerndorf. Der ehemalige Schweinestall wurde 2016 zum Hofcafé mit angrenzendem Hofladen umgebaut. Die Viehhaltung hatte bereits der Vater aufgegeben, die Felder sind mittlerweile größtenteils verpachtet. Das Hofcafé ist an ausgewählten Tagen geöffnet und ein beliebter Treffpunkt sowohl für Einheimische als auch für Gäste von außerhalb. Bettina Gabler setzt den Holunder geschmacklich gekonnt in Szene, sei es mit kreativen Tortenrezepten oder als Beigabe zum Wurstsalat: „Wir schauen, dass wir ihn in möglichst viele Gerichte integrieren.“
Den Holunder bauen sie mittlerweile in nicht mehr ganz so großer Menge an. Nicht nur, weil Franz Aster als hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Wallersdorf im Rathaus gefordert ist. Die Holunderdoldenwelke, eine Pilzerkrankung, zwang ihn, einen Großteil seiner Plantage zu roden. 2024 haben Franz Aster und Bettina Gabler 60 neue Holunderstauden eingesetzt. Es wird weiterhin Holunder geben – wenn auch in kleinerer Dimension, so doch einzigartig.
Bild: Internetseite Holunderhof Aster
GENUSS IST…?
Das Leben… die Augenblicke zu genießen… das Dasein im Moment…
UNSER MEHRWERT IST…?
– dass wir nahezu alle Holunderprodukte selbst herstellen
– wir eine sehr vielseitige Holunderproduktpalette haben
– wir alle unsere Kuchen und Torten selbst backen
– uns immer wieder Neues einfallen lassen
AKTUELL IST UNSERE GRÖSSTE HERAUSFORDERUNG…
Produktion, Hofladen, Café, Privatleben und Berufe unter einen Hut zu bringen
WIR WERDEN IN ZUKUNFT…
genauso bleiben, wie wir sind.
UNSERE IDEE ZUM NACHHALTIGEN LEBENSMITTELKONSUM IST…
Regional und saisonal einkaufen
– auch im Café weiterhin überwiegend regionale Produkte verarbeiten und nur soviel vorbereiten, dass am Ende nichts weggeworfen werden muss.
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